“Do werd die Weltachse ingeschmeert, un ufgebaßt, dass nix passeert!”

Wenn man den Worten des Heimatdichters Paul Münch glauben will, befindet sich bei Waldleiningen der Mittelpunkt der Welt. Tief im Wald zwischen unserem Ort und Johanniskreuz liegt auf dem 459m hohen Roßrück ein riesiger Sandsteinklotz mit der oben zitierten Inschrift. Und laut Paul Münch haben auch die Pfälzer, insbesondere wir Waldleininger, die ehrenvolle Aufgabe die Weltachs' ordentlich zu schmieren.

Weltachsschmierung
weltachs-schmierung

Die bayerische Verwaltung ließ auf einem kleinen Felsentisch eine Landmarke setzen, um die Umgebung typografisch vermessen zu können. An sich nichts außergewöhnliches. Doch der Mundartdichter Paul Münch (1879-1951) machte hier in einem Gedicht die Achse der Welt daraus.

Michael Gasiorek - Weltachsschmierer

Weltachsschmierung unter Teilnahme einer Seniorengruppe aus Mutterstadt

Bei den Waldleininger wird diese feierliche Zeremonie als "Weltachsölung" bezeichnet oder in pfälzischem Dialekt "die Weltachs schmeere" genannt.
Die Gepflogenheit geht auf eine Art regionalen Mythos zurück, den Paul Münch (1879-1951) geschaffen hat - ein sehr bekannter und renommierter Heimatschriftsteller der Pfalz. Sein durch Humor und Ironie geprägtes Hauptwerk, die "Pälzisch Weltgeschicht", besteht aus zwanzig weltgeschichtlichen bedeutsamen Ereignisse, die er in der Pfalz verortet - die so zum Zentrum der Welt und zur Wiege der Menschheit wird.

Die Schmierung der Weltachse, die verantwortungsvolle Aufgabe, längst zur Tradition geworden, geht zurück in das Jahr 1964. Die Liebe der Pfälzer zu ihrer Heimat, der ihr ganzer Stolz gilt, drückt sich auch in einer schönen Passage der "Pfälzer Weltgeschicht" aus, die Anfang der Sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts einen in Waldleiningen lebenden Forstmeister dazu anregte, in den Wäldern Waldleiningens das Kulturdenkmal zu errichten.

Seit ihrer Einweihung im Jahre 1964 gehört die "Weltachs" zum festen Bestandteil jeder offiziellen "Weltachsölung". Angeregt wurde das Kulturdenkmal durch einen damals in Waldleiningen lebenden Förster. Bei einer Schmierung wird traditionell die komplette Verspassage aus Münchs "Weltgeschicht" vorgetragen.

Wann jemand uf de Infall käm,
Die Achs vun unserem Weltsyschtem
Genaa un dipplich auszurechne
Un in die Landkart inzuzeechne,
Do käms eraus, daß akkurat
Im Mittelpunkt vum Pälzer Staat
Der Punkt leit, der wo ganz gewiß
Die Hauptsach uf‘em Weltall is
Der Punkt, wo alles sich drum dreht,
Was uf der weite Welt besteht.

Do werd die Weltachs ingeschmeert
Un ufgebaßt, daß nix passeert,
Was in de Weltelaaf am End
E kleeni Steerung bringe kennt.

Schun seit der Herr die Welt gebaut,
Is uns die Weltachs anvertraut,
Weil meer von alle Menscherasse
For so e Amt am beschte basse.
Mer bassen uf mer halten Wacht,
Mer gewen Dag und Nacht druf acht,
Daß niemand kummt un will se stehle.
Mer schmeere se un dun se öle
Un butzen se als glitzeglatt
Mit Glaspapier un Butzpumad.
Drum dreht sich a wie selbschtverständlich
Die Weltachs ewig un unendlich.

"So", sa't er, "Mond un Stern un Sunn
Die drehe sich un glitzre schun,
Mei Weltachs schnerrt,
's is grad e Spaß,
Als wie e Triller uf de Gass.
Jetzt braicht ich Mensche, wo's verstehn
mit meiner Weltachs umzugehn,
Wo Kerl sin erschter Qualidät
Un Riese an Gescheidigkeet,
Mit Hern im Kopp, mit Pflicht und Ehr,
Korzum! Die Pälzer missen her,
Die missen dann die Weltachs schmeere
Un's Kugellager repareere."

Mer Pälzer un die Weltachs
Von Paul Münch

"Un" - sa't er - "dann werd's ingericht,
Daß alles in der Weltgeschicht
Beim Pälzer Volk im Pälzer Staat
Sein Ursprung un sein Fortgang hat."
So sat'er. Un so is es kumm.
Un um die Weltachs runderum,
Do hockt seit viele dausend Johr
Sei Pälzer Volk un sorgt defor
Bei Dag un Nacht un frih un spät,
Daß Gottes Weltplan richtig geht,
Un daß es Weltall werd gelenkt,
So wie sich's Gott hat ausgedenkt.

Un was nit in der Palz bassiert,
Is Newesach un hat kee Wert.

0 weh! Wär das e Schlag,
Wann plötzlich ame scheene Dag
Mer Pälzer Leit de Rappel kräte
Un mir nix, dir nix streike däte!
Das Unglick wär nit auszumole:
Do dät uns alle de Guguck hole:
Die Erd, die Sunn, de Mond un alles,
Das krät am selbe Dag de Dalles.
Im ganze Weltall dät's do bollere
Un alles durchenanner kollere.
Do gäb's ee Riesekuddelmuddel,
Die Milchstroß gäb e Mordsgeschnuddel
Un all des scheene Schöpfungs-Sach
Hätt alles rutzebutz die Krach.
Un drum sat unser Hergott a
Schun glei am vierte Schöpfungsda':

 

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aktualisiert am: 24.11.2016

 

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